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Marokko im Frühjahr 2008

„…. und fahrt ja nicht alleine durchs Rif!“

Anreise

Gerade einmal 4 Monate nach unserer letzten Tunesienreise, packt uns das Nordafrika-Virus erneut. Hat doch unser Defender über den Winter eine komplette „Beautykur“ erhalten, so soll er nun zeigen, welch tolle Wirkung sie erzielt hat.
Und so brechen wir an einem frühlingshaftem Freitagmorgen auf nach Italien. Da die Fähre nach Tanger im Gegensatz zur Carthage (Tunis) erst Samstag 17 Uhr im Hafen Genuas ablegt, entscheiden wir uns für eine völlig entspannte Anfahrt. Und so genießen wir endlich einmal den Bodensee, die Schweizer Berge, den San Bernardino sowie die hübschen Lagos bei Tageslicht. Unser Ziel ist, bei Mailand in der Nähe der Po-Ebene am späten Freitagnachmittag ein nettes Nachtlager aufzuschlagen. Nach einigen Runden durch idyllische Ortschaften finden wir uns dann auch auf einem schönen Rastplatz wieder. Hier bleiben wir, hier ist es ruhig und nicht so überlaufen.
Ein romantisches Frühstück sollte uns den Abreisetag einleiten, doch dann der erste Schreck: Unser Kompressor-Kühlschrank läuft nicht mehr. Schnell stellt sich zum Glück heraus, dass es nur eine Sicherung ist, die wir selbstverständlich als Reserve mit dabei haben. Puh, nochmal Glück gehabt. Pünktlich 13 Uhr erreichen wir das Hafengelände in Genua. Von einer geeigneten Stelle beobachten wir noch ein paar Minuten die Einfahrt der vielen Rallye Geländewagen in die Carthage, es ist wieder Zeit für die Rallye Grand Erg Oriental....
Die Überfahrt mit der Comanav ist wirklich nicht unbedingt lobenswert: Aus angekündigten 48h werden 55h, keine Handtücher in der Kabine, das Essen...naja vorsichtig ausgedrückt geschmacksneutral (dafür ist es im Fährpreis inbegriffen), Sauberkeit auf Deck und in der Kabine sind gewöhnungsbedürftig. Doch die Krönung sind die Herren in unserer hellhörigen Nachbarkabine: 4 scheinbar sehr gläubige Moslems, die auch über die 5 Betzeiten hinaus, mit einem Kassettentonband die Gebete Allahs hoch und runter leiern. Beinahe kommt es zu einer unschönen Auseinandersetzung, als wir uns erlauben, mit Klopfzeichen auf das nervtötende und nicht endend wollende Gedudel aufmerksam zu machen.

Auf der Überfahrt, lernen wir 2 Österreicher und 2 Schweizer kennen. Alle vier sind mit dem Motorrad nach Marokko unterwegs! Respekt…
So wird die Überfahrt nicht langweilig, jeder von uns hat schon viel erlebt und zu erzählen.

Endlich, Montagabend im Hafen in Tanger angekommen, die Ausfahrt. Und wieder das gleiche Schauspiel wie in Tunesien: Die Marokkaner haben scheinbar Angst, nicht oder nicht rechtzeitig aus der Fähre herauszukommen, so dass bereits noch vor dem endgültigen Anlegen und Öffnen der Ladeklappen jeder wie verrückt mit angelassenem Motor und Hupgetöne versucht, sich schon mal 2,5 cm am Nachbarn vorbei zu schieben, um eine vermeintlich bessere Ausgangsposition zu erlangen. Die Abfertigung im Hafen verläuft relativ harmlos, dauert jedoch aus unerklärlichen Gründen nochmal 2h. Bei Dunkelheit gegen 20:30 Uhr verlassen wir das Hafengelände. Unser Ziel ist ein Campingplatz in der Nähe von Martil. Dort haben wir uns mit den zwei Schweizer Motorradfahrern verabredet, die wir auf der Fähre getroffen haben, der einzige Lichtblick auf dieser monotonen Fahrt.
Wir fühlen uns bestätigt, dass es wirklich kein Vergnügen ist, Afrikas Strassen im Dunkeln zu befahren. Entegegenkommende Kamikazefahrer entweder ohne Licht oder mit Verhörscheinwerfern sind dabei neben Ölspuren und unbefestigten nicht erkennbaren Straßenrändern nur einige Gründe. Trotzdem erreichen wir heil den etwas versteckten Campingplatz am Meer und siehe da, unsere Schweizer erwarten uns schon freudig. Müde aber auch gespannt auf den nächsten Tag, öffnen wir unser Hubdach und schlafen die erste Nacht unter marokkanischen Himmel.

Das Rif
Am nächsten Morgen starten wir in Richtung Chefchauen, ein wunderschöner Ort inmitten des Rifs. Schon die Anfahrt ins Rif ist einfach gigantisch, hügelig bis bergige Landschaft, Oleander so weit das Auge reicht, immer wieder tolle Blicke aufs Meer, uns überkommt ein Hauch von mediterranem Lebensgefühl.
In Chefchauen angekommen, fallen gleich die blau-weißen Häuser auf sowie die alte Festung inmitten des im Tal gelegenen Ortes.
In vielen Internetforen und Reiseberichten wird immer gewarnt „..fahrt ja nicht ins Rif, dort versteckt man unbemerkt bei Euch Haschisch oder drängt Euch das Zeug in wilden Verfolgungsjagden auf.“
Bis jetzt ist von all dem noch nichts zu spüren.
Wir machen uns auf die Suche nach einem Mann, den wir ebenfalls über das world wide web kennen gelernt haben, einem Deutschen, der Mitte der 80er Jahre nach Marokko ausgewandert ist und seitdem dort lebt und eine kleine Autowerkstatt betreibt. Wir finden ihn schnell und verbringen fast den Rest des Tages mit ihm. Wir erfahren viel über das Rif, die Anbaugebiete, essen unsere erste Tajine (Nationalgericht Marokkos) und fahren gemeinsam auf einen kleinen Pass (1.600 m) in der Nähe der Stadt hinauf, um wirklich tolle Fotos zu schießen.
Den Abend und die Nacht verbringen wir auf einem schön angelegten Campingplatz am Rande der Stadt
.

Im Rif

Chefchauen

Weiter geht es durch spektakuläre Landschaft ins Rif hinein, dabei kreuzen wir auch Ketama, die „Hauptstadt“ des Kiffhandels, was sich auch durch mehr Polizeikontrollen bemerkbar macht. Die Straßen werden eng und kurvig, wir fahren im Durchschnitt 40 km/h. Sattes Grün, unglaubliche Panoramablicke zwischen all den offensichtlichen Kifffeldern mit ihren kleinen grünen Pflanzen machen die Fahrt dennoch kurzweilig. Und nun sind sie da: die Kiffhändler. Überall stehen sie an der Straße, machen mit entsprechenden Handzeichen auf sich bzw. ihren Kiff aufmerksam. Aufgrund der Fahrweise der Autos, hat man sogar den Eindruck, dass auch diese bzw. deren Fahrer „bekifft“ sind. Doch wirklich bedroht haben wir uns nie gefühlt, nicht einmal genervt, sondern eher belustigt von der Ausdauer der Händler. Auch werden wir nie direkt auf Kiff angesprochen, oder zum Kaufen animiert!
Nach der Querung eines 1.850 m hohen Passes, verlassen wir das Rif und genießen gleich unsere nächste Tajine. Dieses gut gewürzte Gemüse mit Fleisch, welches ca.40 min in einem besonderen pyramidenförmig geschlossenen Tontopf über Holzkohle gegart wird, ist aber auch lecker!
Auf der weiteren Strecke machen wir mehrere Abstecher und kleinere Umwege durch vulkanartige Gegenden und zu herrlichen Kraterseen in teilweise 2.000 m Höhenlage.

Der mittlere und hohe Atlas
In Zeida, dem letzten Stop mit Tankmöglichkeit vor der Offroadtour durch den Atlas, stärken wir uns noch einmal – wie sollte es anders sein, natürlich mit einer Tajine, kaufen Brot und Bananen, tanken und biegen kurz später auf einem fast unscheinbaren Abzweig ab, zunächst in den mittleren Atlas. Noch gibt es satte grüne Wiesen und Bäume, doch von weitem sind schon die schneebedeckten Gipfel des hohen Atlas zu sehen. Die Pisten sind schmal und noch gut befahrbar. Doch schon jetzt überkommt uns manchmal die Frage, was hier abgeht, wenn es mal richtig regnet (und es sieht doch gerade so bewölkt aus...). Links von uns werden die Berge immer steiler und höher, rechts die Schluchten immer tiefer. Die Farbe des Gesteins wechselt in warme Rottöne. Wir überqueren mehrere Pässe bis zu 2.380 m Höhe und dank der hervorragenden Geländefähigkeit unseres Landys meistern wir auch jede noch so schwierige Abfahrt.

Unterwegs gibt es neben den fahrerischen Herausforderungen auch noch einige Höhepunkte anderer Art: Kinder und Jugendliche, die mit großen Steinen den Weg blockieren, um ihn dann scheinbar mit großer Mühe nur für uns wieder freizumachen. Das dafür als Dank von uns großzügige Geld- und Kleiderspenden erwartet werden, versteht sich von selbst. Selbst auf einer einsamen Anhöhe, die wir für eine kleine Pause nutzen, kommen kleine Mädchen in Windeseile mit Badeschlappen an den Füßen wie Bergziegen den steilen Hang hinauf geklettert, um uns anzubetteln. Und auch auf der Weiterfahrt blockiert plötzlich ein Traktor den Weg und meint, diesen erst zu räumen, wenn er von uns Diesel bekommt, da er angeblich keinen mehr hat. Nun ist das Maß aber wirklich voll, zumal wir uns allen Ernstes fragen, welcher Einheimische in den Atlas ohne Diesel fährt. Wir sitzen die Sache im wahrsten Sinne des Wortes aus, es wird auch ein wenig lauter und am Ende kämpfen wir uns in der nächsten Kurve am Traktor in einer einmaligen Umfahrung vorbei. Ein paar Zentimeter weiter rechts in Richtung Abgrund und wir möchten gar nicht weiterdenken geschweige beschreiben, wo die Fahrt geendet hätte.
Auch das ist Marokko.

Wir überklettern noch einen weiteren Pass mit 2.638 m und erreichen am späten Abend den Campingplatz am wundervollen See „Lac Tislit“ immer noch in 2.500 m Höhe. Die wirkliche Bezauberung dieses Panoramas erfahren wir jedoch erst am nächsten Morgen. Einziger Wermutstropfen: es sind früh nur 6 Grad und wir haben die ganze Nacht mit Standheizung geschlafen. Aber für solche Temperaturen ist ja unser Landy schließlich ausgerüstet.

Im Atlas

Lac Tislit

Weiter geht es, nun wieder auf Asphalt, durch die hübsche Landschaft, vorbei an mit Palmen umsäumten Lehmdörfern, Schafherden und rötlichen Felsen, die die Frauen zum Trocknen ihrer Wäsche nutzen. Wir passieren mehrere Oueds und nächtigen diesmal auf einem der für uns schönsten Campingplätze - in Tamtattouchte.
Der Platz besticht durch die Freundlichkeit des Betreibers, die Sauberkeit der Sanitäranlagen, den hübschen Zimmern, der gepflegten Außenanlage und vor allem dem tollen Essen – diesmal übrigens keine Tajine.

Bevor wir in die etwas touristisch anmutenden Schluchten aufbrechen, wollen wir es noch einmal wissen: Wir begeben uns auf 100 km harte steinige Piste, auf eine Passhöhe in Richtung Agoudal. Kurz vor dem Pass, auf 2900 m, treffen wir dann verblüffend 6 Italiener mit ihrem Mountainbike – wir sind sprachlos vor Anerkennung, und die Italiener auch, da sie leider kein Englisch sprechen. Unser Landy hat aufgrund der Höhe und des damit verbundenen geringeren Sauerstoffgehaltes der Luft erneut mit Leistungsabfall zu kämpfen.
Endlich treffen wir Berberhirten, denen wir gern einige mitgebrachte gut gebrauchte Kleider und Schuhe schenken, da diese zum ersten Male nicht aktiv betteln. Und wieder fordern wir bei einigen größeren Wasserdurchfahrten und teilweise sehr steinigen Pistenabschnitten die Geländegängigkeit unseres liebevoll genannten Fendi´s h
eraus.

Kleiderspende

Piste nach Agoudal

Bald erreichen wir wieder Asphalt und stehen kurz danach inmitten der wirklich beeindruckenden Dades-Schlucht (Gorges du Dades). Es ist schon unglaublich, welch interessante Formen und Schliffe die Natur den Felsen gegeben hat. Wir können uns gar nicht satt sehen an den vielen tollen Ausblicken, auf die sich in die Schlucht schlängelnden Strassen, die steil abfallenden Felsen und den begrünten Flusstälern dazwischen. Hier sehen wir erwartungsgemäß auch wieder mehr Touristen, was aber nicht stört. Auch die benachbarte und sehr bekannte Todra-Schlucht (Gorges du Thodra) ist eine Augenweite und steht der Dadesschlucht in nichts nach, wenngleich sie vollkommen anders wirkt. Hier kann es schon einmal passieren, dass nach einem starken Regen, Strasse und Fluss sich vereinen und tagelang kein Durchkommen möglich ist. Durch die vielen Händler, die ihre Tücher- und Souvenirstände inmitten der Schlucht aufgebaut haben, ist hier viel Leben und noch mehr Tourismus (was sich auch gleich einige Marokkaner zunutze machen, und einfach mal so Parkgebühren verlangen, obwohl die Strassen und Plätze gar nicht gebührenpflichtig sind).

Dadesschlucht

Todraschlucht

Auf in die Wüste...
Wir verlassen die Schlucht und stoppen voller Begeisterung noch kurz vor einem Lehmdorf, welches hinter einem malerischen Palmenwald liegt. Ein Anblick, der später auf dem Foto unwirklich wie eine Montage wirkt, so unglaublich schön ist er...

Der Weg zum Erg Chebbi, einer riesigen Düne im Osten Marokkos, ist relativ unspektakulär und verläuft zügig. Mittag in Erfoud angekommen, das übliche Prozedere vor einer längeren Offroadtour: Wir essen, diesmal gegrilltes Huhn mit Pommes, tanken noch einmal voll, versorgen uns mit ausreichend Trinkwasser und etwas Brot, senken den Luftdruck in den Reifen und beginnen die Ostumfahrung des Erg Chebbi. Wir gönnen uns viele kleine Pausen, um den wundervollen rötlich schimmernden und kontrastreichen Sand zu bestaunen oder aber auch, um nach neuen Wegen, Spuren oder Dünenüberquerungen Ausschau zu halten.
Zurück auf der Hauptpiste schlagen wir diesmal schon gegen 14 Uhr bei nun 40 °C unser Nachtlager auf dem Campingplatz Le Pyramide in Merzouga auf und staunen nicht schlecht, als dort auch 2 große Wohnmobile campieren. Am späteren Abend messen wir noch immer 33 Grad und dann zieht zu allem Überfluss auch noch ein Sandsturm auf. Per SMS erfahren wir, das die beiden Schweizer mit Ihren Motorrädern nur 3 km von uns entfernt übernachten. Doch da es bereits dunkel wird, können wir uns leider nicht mehr treffen.
Insgesamt erscheint uns diese Gegend als zu touristisch, der Lärm von verrückten Geländewagenfahrern, die sich im Dünenjumping üben und die vielen Hotels und Campingplätze sind nicht so unser Geschmack.

Erg Chebbi

Piste nach M´Hamid

Also verlassen wir gleich am nächsten Morgen den Ort Merzouga und begeben uns auf die Spuren der „Rallye Dakar“.   Vor uns liegen 250 km mittelschwere Piste mit zum Teil komplizierter Orientierung und nur sehr geringem Verkehr und so gut wie keiner Zivilisation. An diesem Tag, schaffen wir etwas mehr als 100 km und benötigen dafür 6h. Wir fahren vorbei an versandeten Gebirgszügen, Zeugenbergen, durchqueren mehrere Oueds und fahren auf teils sandigen teils felsigen Pisten. Die Navigation ist in der Tat manchmal schwierig, wir sind erleichtert über jeden GPS-Wegpunkt, den wir erreichen. Auch das Passieren von Schwemmtonebenen ist eine ganz neue Erfahrung.
Die Piste ist abwechslungsreich, Dünen wechseln sich mit dem bei Geländewagenfahrern sehr beliebten Fesch-Fesch ab. Mitten in einem solch schwierigen Fesch-Fesch-Feld, welches zusätzlich mit kleinen aber steilen Kanten und Abhängen sowie Bäumen aufwartet, die uns immer wieder zu Kursänderungen zwingen, kommt uns ein Hummer entgegen. Dieser soll nicht der einzige bleiben. Als wir wenig später erschöpft bei 45 °C in der Nähe von Tamassint bei der einzigen kleinen Herberge unser Lager aufschlagen, finden wir dort eine ganze Hummer-Armada – eine französische Privat-Rallye, wie sich herausstellt. Irgendwie schraubt dort jeder der Hummerfahrer an seinem Auto rum; beim näheren Hinsehen erfahren wir von kaputten Stoßdämpfern, Getriebeschäden usw. Wir sind mal wieder stolz auf unseren Landy.
Kurz vorm Schlafengehen treffen wir noch einen Spanier und einen Argentinier, die gemeinsam mit ihren Motorrädern, jedoch mit kaputtem Anlasser und ohne GPS oder Kartenmaterial unterwegs sind. Wir studieren gemeinsam ein wenig die Karte und hoffen, die beiden finden am kommenden Morgen ohne Schwierigkeiten ihr Ziel.

Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Zagora und M´Hamid. Die Landschaft bleibt abwechslungsreich, leichte Sanddünen, beeindruckende Zeugenberge, Fesch-Fesch (dieses mehlähnliche Zeug ist aber auch widerlich) und lang gezogene Kies-Sandebenen. Die letzten 100 km fahren wir nahe der algerischen Grenze entlang, wo wir auch gleich von einem Militärposten kontrolliert werden. Verlässt man hier seine GPS-Route und gelangt dabei versehentlich an die unmittelbare und übrigens umstrittene Grenze, sind Minen nicht ausgeschlossen. Wir haben auf diesem Pistenabschnitt nur einmal Gegenverkehr, überqueren noch 2 Pässe und erfreuen uns an den vielen Palmen und dem zunehmenden Oasencharakter.
In Tagounite, dem ersten Dorf seit unserer Pistenroute, biegen wir falsch ab und stecken auch gleich fest inmitten zahlreicher Palmen und enger Gassen. Ein kleiner Junge navigiert uns aus diesem Ort, wir danken mit einigen Kleinigkeiten.

Auf dem Campingplatz in M´Hamid angekommen, geht es erstmal erfrischend in den Pool und danach genießen wir gegrilltes Fleisch mit kalter Cola. Lecker...
Am Tag darauf fahren wir noch ein Stück über Piste in die nahe westlich gelegene Wüstenlandschaft hinein, um zum Dayet Chegaga zu gelangen, einer hübsch anzusehenden Dünenkette in der Nähe einer romantischen Oase. Der Trip stellt sich als wirklich gut heraus, jedoch ist die 100 km Fahrt (Hin und zurück) wirklich sehr unangenehm, wir bewegen uns fast ausschließlich auf harter Stein- und Wellblechpiste und werden kräftig durchgeschüttelt. Der arme Fendi...
Am Nachmittag erreichen wir Zagora und stellen nach einer kleinen Ortsbesichtigung fest, dass wir nun auf dem tatsächlich schönsten Campingplatz Marokkos angekommen sind – Oasis Palmier.
Ein großer schattiger und gepflegter Platz unter Palmen, mit Rosmarin dekorierte Toiletten und Duschzimmer sowie eine eigene Bastmatte und ein großer Tisch mit 2 Stühlen für jeden Campingbesucher sind nur einige Highlights. Wir treffen hier 3 Franzosen mit ihren Toyotas und erinnern uns, dass wir uns schon einmal in Tamtattouchte auf dem Campingplatz begegnet sind. Das wird gleich feierlich mit einer Rumcola begossen.

Vom Draatal, zum Tiz´n Test über Wasserfälle und Stauseen zur Küste
Weiter geht es am nächsten Morgen durch das wundervolle begrünte Draatal, gesäumt von Palmen, Oleander und den rötlich schimmernden Gesteinsformationen. Wir besuchen einen Suq und kaufen für einen Spottpreis frisches Obst und Gemüse. Danach überqueren wir abermals 3 Pässe und erleben am Nachmittag einen Temperatursturz auf 18 °C. Zeit zum campieren!

Unser nächstes Tagesziel heiß Tiz´n´Test, einer der schönsten Pässe Marokkos. Wir starten zeitig und erleben schon bei der Auffahrt spektakuläre Aussichten. Selbst die immer noch teilweise schwarzen Wolken zeichnen ein Bild, wie man es selten sieht. Die Passhöhe erreichen wir auf 2.100 m Höhe.

 Blick vom Tiz´n´Test

Berberdorf

Bei Tiefstwerten von 13 °C fahren wir bei leichtem Regen auf der Rückseite wieder hinab. Die Nässe hindert uns leider am Befahren einer Piste, die uns noch einmal in den mittleren Atlas führen sollte.
Also muss Plan B her. Wir unternehmen kurzerhand einen Abstecher ins Origa-Tal, wo wir endlich die Möglichkeit haben, einige schöne Souvenirs zu erstehen. Nach zähen Preisverhandlungen, opfern wir noch unsere letzten Tauschartikel (Rucksack, Hose, Radio) und kaufen einige sehr schöne kunsthandwerkliche Artikel zu einem super Preis.
Auf dem Weg zu den Ouzoud-Wasserfällen, unserer letzten Station für diesen Tag, geraten wir in eine Polizeikontrolle, angeblich wegen zu hoher Geschwindigkeit. Nach einem kurzen Palaver (manchmal hilft es, vorzugeben, dass man die Sprache nicht versteht), können wir ohne Geldbuße weiterfahren. In Ouzoud angekommen, sind wir enttäuscht von dem zwar direkt an den Wasserfällen gelegenen aber auch sehr heruntergewirtschafteten Campingplatz. Wir unternehmen noch einen schönen Abendspaziergang und essen Crepes.
Am nächsten Morgen schauen wir uns die Wasserfälle noch einmal in der Morgensonne an und sind dabei nicht allein: Paviane begleiten uns.
Danach fahren wir wieder durch den Anti-Atlas auf einer der schönsten Pisten dieser Reise.
Schroffe Felsen, ab und zu Berberdörfer, bunte Blumenwiesen zwischen schneebedeckten Gipfeln prägen den Begriff – „die Dolomiten Marokkos“. Die Piste ist gut befahrbar, anspruchsvoll, aber ohne größere Risiken.

Im Anti-Atlas

Unterwegs…

Am Nachmittag erreichen wir die Cathedrale de Roche, einen Fels-Monolith mit einer netten Herberge gegenüber. Dort entscheiden wir uns, den Abend und die Nacht zu verbringen. Und auch hier machen wir wieder sehr interessante Bekanntschaften: 4 Schweizer Mountainbiker, die mit ihren Rädern die Gegend zwischen Marrakesch und Anti-Atlas erkunden. Mit von der Partie sind noch ein 90er Defender als Begleitfahrzeug für Zelt und Gepäck sowie ein Koch und ein Guide. Genauer gesagt, handelt es sich bei dem Guide um eine Frau, die mit einem im Vergleich zu den High-Tech-Carbonrädern der Schweizer nur minder ausgestatteten Rad ca. 2h später als ihre Kunden am Ziel eintrifft und sich am Abend erstmal von den Schweizern die Landkarte erklären lässt. Wir amüsieren uns köstlich und zum krönenden Abschluss gibt ein Schweizer am nächsten Morgen noch ein kleines Live-Konzert mit seiner Gitarre. 

Wir fahren weiter und gelangen zum Stausee Bin-el-Ouidane. Und wieder ein kleiner Höhepunkt dieser Reise. Der Stausee erstreckt sich mit seinen Armen und Ausläufern kilometerweit und bietet faszinierende Aussichten. Wir erreichen die Staumauer und staunen nicht schlecht, wie viel Militär dafür Sorge trägt, dass hier nicht fotografiert wird. Selbst Schießscharten sind überall installiert und erinnern an Zeiten, in denen noch aus den Festungsanlagen auf den Feind geschossen wurde.

Stausee Bin-el-Ouidane

Hängebrücke über Bin-el-Ouidane

Von hier aus fahren wir noch eine Weile, da unser Reiseführer noch einen heißen Campingtipp am Kratersee Dayet er Roumi parat hält. Dort angekommen –es ist wirklich ein schöner See- finden wir den beschriebenen Platz erst nach langer Suche, stehen dann vor verschlossenem Tor und kehren auch gleich wieder um, als der Besitzer einen absolut unangemessenen Preis für den doch heruntergekommenen Platz verlangt. Und so suchen wir uns einen idyllischen Platz direkt am See und campen wild. Die einzigen Leute in unmittelbarer Sichtweite sind 2 Fischer, die die ganze Nacht über ihr Glück versuchen. Wir schlafen gut und brechen am nächsten Morgen gestärkt zu unserem letzten Ziel in Marokko auf – die Hafenstadt Tanger.
Dort wollen wir die Nacht vor der Überfahrt gemeinsam mit unseren neuen Freunden, den Schweizer Motorradfahrern, verbringen.

Camp am Dayet er Roumi

Töpfermarkt

Teilweise an der Küste entlang, fahren wir an vielen Töpferständen vorbei und erstehen schließlich noch eine Riesenvase, für umgerechnet 7,40 Euro, ein Bruchteil dessen, was man hier dafür bezahlen würde. Wir kommen am Nachmittag auf dem Campingplatz in Tanger an, einer sehr schönen Anlage am Hang mit Blick auf die Küste, vielen Palmen, einem Pool, Restaurant und auch einigen Bungalows. Groß ist die Freude, die beiden Motorradfahrer endlich wieder zutreffen. Zur Feier des Tages gibt es Kaffee und den Rest unseres Kuchens und abends Nudeln mit Wurstgulasch. Schnell noch ein paar schöne letzte Fotos gemacht und dann ab ins Hubdach gekuschelt.

Pünktlich am nächsten Morgen starten wir gemeinsam zum Hafen. Und auch diese eigentlich nur kurze Anfahrt (Luftlinie 4 km) bietet noch den einen oder anderen Höhepunkt.
Wir geben unsere letzten Dirham aus, tanken noch einmal randvoll und erleben dann, jedoch eher unfreiwillig, noch eine kleine Stadtrundfahrt durch die Medina Tangers. Irgendwie wollten wir nur dem Kurs unseres GPS folgen, was sich jedoch aufgrund der vielen Einbahnstrassen als schwierig erwies. Und so stehen wir plötzlich in Sackgassen oder vor Torbögen, durch die wir nicht hindurchpassen. Zum Glück bilden unsere Schweizer mit ihren Motorrädern die Vorhut und warnen uns immer wieder, wenn´s brenzlig wird. Nach gut einer Stunde Chaosfahrt durch Tanger und umgekehrt gefahrenen Einbahnstrassen stehen wir endlich im Hafen und atmen durch.
Die Formalitäten sind schnell erledigt und auch sonst läuft alles gut bis zum Ablegen. Hier treffen wir auch die beiden Österreicher mit ihren Motorrädern wieder.
Vor uns liegen nun wieder mehr als 50 Stunden Überfahrt nach Genua. Zum Glück haben wir alle viel zu berichten von unseren Erfahrungen und Erlebnissen. Und auch an die Handtücher für die Kabine haben wir gedacht.

...

 

Infos und Fakten
(Stand: April 2008)
Fähre Genua-Tanger 2 Per. 1 Fzg. und Innenkabine
Gefahrene Kilometer in Marokko
Dieselverbrauch gesamt
Dieselpreis Marokko
Nebenkosten Marokko pro Person
Währung: Marokkanischer Dirham
Temperatur max.
Temperatur min.

1.012,00 €
3720 km
460 Liter
0,65 € / Liter
220,00 €
1€ = 1,40 MAD
40°C
6°C

 

 

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