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Tunesien im November 2007
Planung und Abfahrt Es ist wenige Monate her, da haben wir unseren Defender gekauft und ihn noch bis vor einigen Tagen zu einem Expeditions- und Reisemobil umgebaut. Und nun die Taufe und erste Bewährungsprobe: Wir haben uns Tunesien als Warm up ausgesucht, da es sich als Einstiegsland für das Wüsten- und Offroad-Abenteuer bestens eignet. Es ist relativ schnell zu erreichen, klein und überschaubar, bietet interessante Wüstenpassagen aber auch Meer, Gebirge und mediterrane Einblicke, eingebettet in die von uns so geliebte arabische Kultur.
Doch nun zurück zum Beginn unserer Reise. Ausgestattet mit Landkarte, einem guten Individualreiseführer, GPS inklusive schon gesetzte Wegpunkte, sowie einer daraus entstandenen recht genauen Vorstellung unserer Route, starten wir an einem tristen Freitagabend in Richtung Schweiz und Italien. Und schon hier muss sich unser Defender das erste Mal beweisen: Es schneit und das heftig. Doch unser Fendi schiebt sich durch 25 cm Neuschnee den San Bernardino in einer derartigen Souveränität an allen rutschenden und fast schon stehenden Pkws vorbei, das es eine wahre Freude ist. Auf der anderen Seite wird das Wetter wieder milder und so erreichen wir gegen 5:00 Uhr den Lago Maggiore. Hier wollen wir nochmal kurz ausruhen, bevor wir zur letzten Etappe in den Hafen Genuas aufbrechen, von wo aus um 17:00 Uhr die Fähre nach Tunis ablegt. Die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz erweist sich schwieriger als gedacht. Wir fahren der Ausschilderung eines Campingplatzes nach und werden nach mehreren kleinen Ehrenrunden fündig. Eine hübsche Allee, ganz nah am See bietet einen ruhigen Platz. Pünktlich um 9:00 Uhr nach einem Kaffee geht es weiter und so erreichen wir gegen Mittag bei Sonnenschein den Hafen in Genua. Bereits hier überkommen uns schon Zweifel, ob wir noch in Europa, oder doch schon in Afrika angelangt sind, und das nicht nur aufgrund der vielen farbigen Tunesier, die als Gastarbeiter von Frankreich oder Italien mit völlig überladenen Pkws in den Hafen einfahren. Zwei Kühl-Gefrierkombinationen an der Hecktür befestigt, 50 Fahrräder sowie weitere Möbelteile auf dem Dach untergebracht und Fahrzeuge, die durch die Last fast auf dem Boden aufsetzen, sind nur einige Highlights. Wild winkende und pfeifende Hafenbeamte, die teilweise in entgegengesetzte Richtungen oder Fahrspuren lotsen, tragen ebenfalls zur Aufmunterung bei. Eine Ausschilderung gibt es nicht und so fragen wir uns durch, wo wir unsere Ausreiseformalitäten erledigen müssen. Dies ist dann relativ zügig getan und so haben wir noch genügend Zeit, die Einfahrt unserer Fähre - der Carthage - sowie weiterer Geländewagen zu beobachten.
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Ein Erlebnis der besonderen Art stellt das formale tunesische Einreiseprozedere dar, welches, da die Carthage ein tunesisches Schiff ist, bereits auf der Fähre erledigt werden kann. Zum Glück haben wir viel im Vorfeld darüber gelesen und sogar schon Ausfüllhilfen und Blankoformulare beschafft. Erste Hürde: natürlich sind sämtliche Zettel nur in Arabisch und Französisch. Zweite Hürde: es gibt zwei Schalter (Polizei und Zoll), die Reihenfolge, in der man die Schalter besuchen muss, ist wichtig und entscheidend, aber nicht ausgewiesen. Alles findet in einer begrenzten Zeit in einem kleinen Gang zwischen den Kabinengängen statt. Es kann vorkommen, dass die Formulare, die ausliegen, plötzlich vergriffen sind und man auf Nachschub warten muss. Lange Schlangen an den besagten einzigen zwei Schaltern, schreiende Kinder und schlechte Luft ergeben sich von selbst… Naja, auch das haben wir irgendwann hinter uns gebracht und gönnen uns zur Belohnung noch ein Essen im Schiffsrestaurant. Es wird jedoch auch bei diesem einem Mal bleiben, denn Qualität, Geschmack, Menge und Aussehen des Essens verglichen mit dem Preis sind einfach schrecklich! Wenigstens sind die Kabinen annehmbar und so schlafen wir noch ein wenig, bis wir endlich gegen 16:00 Uhr im Hafen von La Goulette anlegen. Die Ausfahrt geht so schnell, dass wir es kaum glauben können. Wir stehen glücklicherweise ganz vorn im Schiff und passieren den tunesischen Zoll und die Polizei in einer Rekordzeit. Jeder der Beamten ist freundlich und winkt uns durch, nicht einmal für unser GPS, das wir ordnungsgemäß registrieren lassen wollen, interessiert sich irgendwer.
Wir fahren aus dem Hafengelände, steuern sofort die erste Tankstelle an und danach gibt es eine kurze Lagebesprechung. Wir bemerken sofort, was uns noch den gesamten Urlaub begleiten wird: im November wird es in Tunesien bereits ab 17:00 Uhr dunkel, 18:00 Uhr ist es dann stockfinster. Da wir in Afrika nicht gern bei Dunkelheit fahren und schon gar nicht nach einem gemütlichen Nachtlager Ausschau halten können, beschließen wir, die Nacht noch im Hafen zu verbringen und am nächsten Morgen zeitig zu starten. Nach einer kurzen Rundfahrt finden wir einen kleinen Parkplatz neben Palmen und einer netten Hafenbucht ganz in der Nähe der Polizei. Die Geräusche der vielen ankommenden Autos verstummen bald und werden durch sanftes Meeresrauschen abgelöst. Wir schlafen gut und gehen erholt in den nächsten Tag. Unsere Route wird uns zunächst ins Landesinnere nach Westen führen
Der bergige Westen oder auf Rommels Spuren Wir durchfahren Tunis am frühen Morgen, was nicht gerade eine Freude ist. Der Verkehr und die Art, von A nach B zu kommen, sind doch ein wenig anders als in Mitteleuropa. Rote Ampeln interessieren bis auf wenige Ausnahmen niemand, klare Straßenbeschilderungen gibt es nicht, Hupen sind quasi immer im Einsatz und Vorfahrtsregeln will keiner kennen. Wer zuerst kommt oder den größeren Mut hat (was oft von der Größe des Fahrzeugs abhängt), fährt eben zuerst. Da wir an Fahrzeuggröße ganz gut mithalten können und auch sonst recht mutig und gelassen sind, kämpfen wir uns mit Bravour durch die Innenstadt von Tunis und fahren weiter nach Tebourba.
Unterwegs queren wir schon die ersten römischen Aquädukte umgeben von herrlichen Kakteen- und Agavengürteln. Die Landschaft beginnt hügelig zu werden, dabei fallen immer wieder die in Reih und Glied angelegten Olivenhaine auf. In einem kleinen Ort entscheiden wir uns spontan, eine tunesische „Waschanlage“ zu besuchen, um das Salz loszuwerden, das noch immer vom San Bernardino an unserem Fendi klebt. Nach einer kurzen Preisverhandlung fahren wir in die Garage und beobachten 20 min, wie der kleine tunesische Angestellte per Hand auf einem Plastikstuhl stehend unseren Defender akribisch reinigt. Getrocknet wird mit Zeitungspapier! Als wir wieder losfahren, müssen wir aufpassen, nicht die kleinen Ziegen, die es sich unter unserem Defender bequem gemacht haben, zu überfahren.
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Auf unserem Plan stehen heute noch zwei Bergdörfer sowie der Stausee Sidi Salem. Gegen Nachmittag und nach einem ordentlichen Stück offroad kommen wir an dem wunderschönen grünschimmernden Stausee an. Keine Menschenseele weit und breit, die Sonne lacht, nur ist es leider etwas zu kühl, um in dem See ein kleines Bad zu nehmen. Wir drehen noch ein paar Schleifen am Stausee und entscheiden uns dann, in dieser einmalig ruhigen und romantischen Umgebung unsere nächste Nacht zu verbringen. Schnell findet sich ein gemütlicher Platz unter Pinien mit Blick auf den See. Zum Abendbrot gibt es Nudeln mit Wurstgulasch. Umrandet wird dieses Dinner von einem bezaubernden Sonnenuntergang. Dieser Nachtplatz bleibt uns ewig als einer der schönsten in Erinnerung!
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Weiter geht es über Testour und Teboursouk nach Dougga. Hier wollen wir die größten, sehr sehenswerten und besterhaltendsten römischen Ruinen besuchen. Natürlich bietet Tunesien an vielen Stellen für Kulturinteressierte derartige Ruinen. Da für uns jedoch der Besuch EINER solchen Stätte ausreicht, haben wir uns für Dougga entschieden. Der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen, es gibt wirklich viel Interessantes zu sehen. Der Eintritt ist sehr günstig, wir sind fast allein und auch die Ruinenführer bieten ihre Dienste nicht zu aufdringlich an. Einzig das Wetter ist heute nicht so schön, aber auch das ist eine Erfahrung, die den November als günstigen Reisemonat wiederholt in Frage stellt.
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Wir fahren weiter durch hübsche Landschaft, den Thermalort Hammam Mellegue und kaufen in El Kef frisches Obst und Gemüse sowie Brot. Schneller als gedacht erreichen wir das Plateau „Table de Jugurtha“. Auf einer Höhe von 1.270 m umrunden wir offroad das Plateau. Meterhohe Felsbrocken und Geröllpisten lassen die Rundfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Es ist nur schwer vorstellbar, dass man diesem Tafelberg, den man schon aus etlichen Kilometern Entfernung sieht, nun so nahe ist. Noch unvorstellbarer ist, dass um die Ecke Algerien liegt. Derartige Grenzregionen, die einerseits so nah und doch so unerreichbar sind, faszinieren uns immer wieder.
Es ist erst früher Nachmittag und so fahren wir weiter nach Haidra. Auch hier gibt es wieder eine alte Ruinenstätte. Wir passieren einen Kontrollposten und suchen in den umliegenden Pinienwäldern nach unserem heutigen Schlafplatz. Ein Tipp unseres Reiseführers beschreibt uns den Weg und nach kurzer Zeit finden wir uns auch auf einem idyllischen Plätzchen oberhalb der Ruinen wieder. Nach einem herzhaften Abendbrot und einem Gläschen Rotwein treten wir die Nachtruhe inmitten vieler Pinien an. Und wieder schlägt der November zu: es ist die kälteste Nacht in unserem gesamten Tunesienurlaub. Standheizung und Thermounterwäsche sei Dank, so werden auch die 4 °C Tiefstwert nicht zum Problem. Gestärkt von einem guten Frühstück (welches wir diesmal im Inneren unseres beheizten Fahrzeugs zu uns nehmen) fahren wir weiter durch rötlich schimmernde Berglandschaften, streifen den malerisch gelegenen National Park Chebel Chambi und gelangen schließlich in das moderne Gafsa, welchem wir einen kurzen Besuch abstatten. Den größten Teil der Tagesstrecke legen wir offroad zurück. Leichte Schräglagen sowie kleinere Wasserdurchfahrten sind dabei nur einige Erlebnisse, die unserem Fendi und uns sehr gut gefallen. In Metlaoui verzehren wir in einem Straßencafe ein gegrilltes Hähnchen mit Rosmarin gespickt und französischem Baguette, bevor wir in die Seldja-Schlucht aufbrechen. Die gesamte Region ist geprägt durch Phosphatbergbau. Die Bergwerks-Schlucht ist recht beeindruckend, nicht zuletzt auch durch die tollen Lichtverhältnisse, den stahlblauen Himmel und die wie gebrochene Steinplatten wirkenden Schlammformationen, die noch an den letzten Regen erinnern.
Eines der absoluten Highlights steht uns jedoch noch bevor: die Rommelpiste! Eher zufällig entdecken wir in unserem GPS diesen Wegpunkt. Und da die Piste, auf der wir uns bisher bewegen, schon seit längerem ausgesprochen schön ist, steuern wir diesen Punkt an und staunen nicht schlecht, als genau an den Zielkoordinaten zwei Männer sitzen, die den Eingang der Piste mit einer Panzersperre blockieren. Zunächst wollen die Männer uns nicht durchlassen, angeblich ist die Piste nicht mehr befahrbar und es droht starker Steinschlag (was auch bei einem Blick vom Rande hinab auf die Piste glaubhaft erscheint). Wir palavern ein wenig, schauen uns gemeinsam das umliegende Gelände an und nach der Herausgabe von ein paar give aways räumen die Männer kurzerhand die Panzersperre beiseite und winken uns durch. Vor uns liegt eine der spektakulärsten Steilhangpisten Nordafrikas. Im Schritttempo und wieder gebremst durch die vielen Fotostopps schlängeln wir uns bergab. Bergformationen, die aussehen wie Saurierrücken, tiefe Schluchten, loses Geröll und immer wieder gigantische Ausblicke machen die Fahrt spannend und beeindruckend. Am Ende geht die Piste in Asphalt über und da es bereits später Nachmittag ist, verdunkeln die langen Schatten der hohen Steilfelsen die Umgebung. Unser heutiges Ziel heißt Tamerza, ein kleiner Ort ganz nah der algerischen Grenze. Dort nächtigen wir im schönen Hotel Tamerza Palace. Hier hat man neben romantischen Zimmern und Suiten und einem tollen 3 Gänge-Dinner auch einen super Ausblick auf die verfallene Lehmstadt.
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Vom Salzsee in die Wüste Ganz in der Nähe vom Hotel Tamerza Palace befinden sich die „Grand Cascada“, 15 m hohe Wasserfälle mit Aussichten auf beeindruckende Felsformationen. Wir werfen noch einen schnellen Blick auf die Wasserfälle und nähern uns anschließend, natürlich offroad, dem Chott el Gharsa, dem kleineren der beiden bekannten Salzseen Tunesiens. Was wird uns wohl morgen bei der Durchfahrt des großen Salzsees Chott el Djerid erwarten, wenn dieser kleine auch schon so imposant ist mit seinen weißen, kristallinen Salzablagerungen? Doch zunächst fahren wir zum Kamelfelsen und den Kulissen zu „Star Wars“. Die Tour besteht nur aus Wegpunkten, die einzelnen Abschnitte zwischen den Punkten sind über Luftliniennavigation mal einfach, mal schwierig und manchmal nur durch Umwege zu finden. Dennoch haben wir viel Spaß an der Fahrt und können bei dieser Gelegenheit unser GPS und unsere eigenen Navigationsfähigkeiten testen. Dabei gehört es auch dazu, in einer Palmenhainsackgasse wieder einige Kilometer zurück zu fahren oder auch mal den direkten Luftlinienkurs zu verlassen, wenn Weichsandpassagen oder hohe Dünenwände den Weg erschweren. Und plötzlich steht vor uns wie aus dem Nichts ein Riesenfels in Kamelform - der „Camel Rock“. Nur wenige Kilometer weiter erreichen wir die Drehbuchkulissen von „Star Wars“. Wer den Film kennt und mag, ist wahrscheinlich hier gut aufgehoben, uns genügen jedoch 10 Minuten Aufenthalt und dann packt uns wieder das Offroad-Fieber. Am späten Nachmittag kommen wir auf unserem ersten Campingplatz dieser Reise in Tozeur an. Der kleine hübsche Platz unter Palmen macht auf uns einen guten Eindruck. Als wir feststellen, dass wir bislang die einzigen Gäste sind und damit freie Platzwahl haben, schlagen wir glücklich unser Lager auf und kochen erstmal Kaffee. Getoppt wird das ganze dann noch, als zwei kleine süße Miezekatzen um uns herumschwänzeln, unseren Defender von außen und innen inspizieren und uns am Abend helfen, die fast leeren Wurstdosen auszuputzen. Das moslemische Schweinefleisch-Verbot scheint die Katzen hier nicht zu interessieren ;-)
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„Star Wars“ ist nicht die einzige Filmkulisse, die Tunesien seinen Gästen bietet. Auch Szenen aus „Der englische Patient“ wurden hier gedreht. Und so begeben wir uns am Tag darauf zum Marabut Sidi Hellal, ein Wallfahrtsziel umgeben von heißen Quellen. Der Marabut ist einsam und hoch gelegen und so klettert unser Defender wie eine Bergziege mit eingelegter Getriebeuntersetzung hinauf zu dem heiligen Ort. Ein faszinierender Ausblick ist der Lohn der Anstrengung. Wieder unten angelangt, bewegen wir uns endlich auf den größten ausgetrockneten Salzsee Afrikas zu, den Chott el Djerid. Es gibt nur eine einzige Straße, die durch den See hindurchführt und diese sollte man trotz aller reizvoll erscheinenden Abstecher unterwegs, niemals verlassen. Schnell kann dieser Ausflug sonst enden wie für einen Bus, der in ca. 200 m Entfernung zur Strasse nur noch als Wrack zu erkennen ist. Man unterschätzt die Tragfähigkeit des Bodens gewaltig. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass der Untergrund fest ist, doch das ist trügerisch. Nach schier endlosen Kilometern geradeaus, wechselt die Landschaft langsam in Steppencharakter. Und dann ist er da: der erste richtige Saharasand, zunächst noch mit kleinen teilweise bewachsenen Dünen. Wir erreichen Douz, eine sehr touristische kleine Stadt, die auch das Tor zur Wüste genannt wird. Hier testen wir wieder einmal einen Restaurant-Tipp und begeben uns noch ein wenig ins Innenstadtgetummel. Von hier aus wollen wir in die Wüste aufbrechen. Deshalb heißt es jetzt, voll tanken, Wasser, Brot und Obst nachkaufen und los geht’s. Am Rande der Stadt, genau am „Wüstentor“ reduzieren wir die Luft in unseren Reifen, atmen nochmal tief durch, richten das GPS neu aus und sind nun bereit fürs Abenteuer Wüste.
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Abenteuer Sahara Zu Hause haben wir im Internet eine Strecke mit 12 Wegpunkten gefunden, die uns direkt durch die Wüste von Douz nach Ksar Ghilane führen soll. Obwohl die meisten Reiseführer von derartigen Direktverbindungen abraten und eher die etwas längere Pipelinepiste empfehlen, wollen wir die Route mit Hilfe der GPS-Punke fahren, es haben ja schließlich auch schon andere vor uns gemacht. Die ersten beiden Punkte erreichen wir mühelos. Die Sahara hat uns schon jetzt fest in ihren Bann gezogen. Kleine Sicheldünen wechseln mit höheren Dünen ab, roter Sand geht langsam in gelben über und auch die Grasbüschel haben wir uns nicht so vielseitig vorgestellt. Nach zwei Stunden erreichen wir ein kleines Café, inmitten der Wüste. Man nehme ein wenig Stroh, ein paar Bretter, befestige beides miteinander, stelle ein paar bunte Plastikstühle davor und schreibe ein entsprechendes Schild und fertig ist das „Desert -CAFE“. Wir begutachten kurz den Landy, der vor dem Cafe parkt und dann fahren wir auch schon weiter, schließlich sind wir ganz gespannt auf das, was noch vor uns liegt. Die Spuren, die wir bisher immer noch mehr oder weniger gut sichtbar als Orientierung vor uns hatten, verlieren sich nun ganz und so halten wir Luftlinienkurs auf den nächsten Wegpunkt, der jedoch noch 30 km entfernt ist. Wir beschließen, uns bei den nächsten höheren Dünen einen gemütlichen Nachtplatz zu suchen, weit genug außerhalb der Zivilisation sind wir bereits und es wird auch langsam dunkel.
In einem kleineren Dünenkessel, auf festem Untergrund, richten wir uns häuslich ein und verarbeiten erstmal die vielen Eindrücke des Tages. Und dann das: es regnet! Wir staunen nicht schlecht, doch schon nach wenigen Minuten ist alles vorbei und wir kommen in den Genuss eines atemberaubenden Sonnenunterganges. Bevor es dunkel wird, besteigen wir noch einige umliegende Dünen und genießen die Faszination Wüste. Am kommenden Morgen nutzen wir die günstigen Lichtverhältnisse, um ein paar wirklich einmalige Fotos zu schießen. Dann erwartet uns noch ein Frühsport besonderer Art. Auf einem vermeintlich kleinen Dünenkamm ist es passiert: wir haben uns festgefahren. Nun dürfen auch die Sandbleche zeigen, was sie können. Gemeinsam buddeln wir die Reifen frei und legen die Sandbleche unter. Mit Hilfe von Sperre und Untersetzung befreien wir uns beim ersten Anlauf. Wir halten Kurs auf unseren nächsten GPS-Punkt und geraten dabei immer tiefer zwischen hohe Dünen. Oft müssen wir umkehren, oder erstmal zu Fuß auf die nächste Düne klettern, um uns einen Überblick über das Gelände und mögliche Umfahrungen zu holen. Wir machen uns immer einen schönen Plan, wie wir die nächsten hundert Meter um die Dünen herumfahren können und kaum sitzen wir wieder im Auto, wissen wir nicht mehr, wie wir denn nun genau fahren wollten. Die Wüste hat es wirklich in sich. Wir kommen einfach nicht vorwärts! Um überhaupt weiter zu kommen, suchen wir uns den oftmals einzigen fahrbaren Weg zwischen den Dünen und entfernen uns dabei immer mehr vom Kurs. Nach zwei Stunden beschließen wir, auf eine Hütte am Horizont zu zusteuern. Dort sehen die Dünen wieder flacher aus und unser GPS zeigt auf Höhe dieser Hütte auch wieder eine Wegmarkierung. Das hört sich einfacher an als gedacht, doch nach einer weiteren Stunde erreichen wir dann endlich die Piste!
Während wir wieder etwas Luft in die Reifen füllen, kommt uns ein Buschtaxi entgegen und wir können kurz abstimmen, wo wir sind und wohin die Piste genau führt. Glücklicherweise führt sie nach Ksar Ghilane, unserem heutigen Ziel. Wir fahren jetzt auf der teilweise stark versandeten Piste weiter und genießen links und rechts von uns die herrliche Saharalandschaft. In Ksar Ghilane angekommen, verschaffen wir uns einen kurzen Überblick. Das Örtchen hat einen Thermalpool und ist Ausgangspunkt für viele organisierte Wüstentouren. Wir haben uns jedoch ein Camp 14 km südlich des Ortes etwas außerhalb des touristischen Ansturmes auserwählt und dort nächtigen wir dann auch.
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Wohnhöhlen, Speicherburgen und vieles mehr… Am folgenden Tag heißt es dann - Schütteln-Rütteln-Schütteln - wir fahren 245 km Wellblechpiste nach Osten. Ein Wunder, dass alles im Defender noch an Ort und Stelle liegt bzw. steht bei diesem heftigem Gerüttel. Wir selbst spüren Muskelgruppen an unseren Körpern, die wir noch gar nicht kennen. Doch die Entlohnung naht: in Guermessa sehen wir wundervolle Speicherburgen und Wohnhöhlen, die zu Spaziergängen einladen. Unvorstellbar, dass hier Menschen gelebt haben. Auch die folgenden Oasen der Umgebung, Chenini, Douriat, Tataouine und Ghomrassen machen Lust auf eine lohnenswerte Rundfahrt. Jeder Ort besticht durch Wohnhöhlen etwas anderer Art, Tafelberge und Speicherburgen. Manchmal bieten sich kleine Kinder als Führer an. Derartige Behausungen haben wir vorher noch nie gesehen; sie werden uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Wir nächtigen diesmal wieder wild etwas abseits der Orte direkt unter einem großen Olivenbaum. Auch dieser Abend wird durch die vielen Eindrücke, die Ruhe und Einsamkeit sowie die herrliche Umgebung zu einem bleibenden Eindruck.
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Wir durchqueren Tataouine, den Ausgangspunkt für Fahrten ins tunesische Sperrgebiet, und fahren noch durch einige hübsche Bergdörfer. In Beni Kheddache beschließen wir, uns die dort gelegenen Wohnhöhlen genauer anzusehen und sind nur einmal beeindruckt von diesen Bauwerken. Die Wohnungen waren damals nur über steile Treppen mit ungleichen Stufen zu erreichen, Fenster und Tür sind eins und lose Bretterverschläge bildeten die Verriegelung.
Zurück an der Küste Immer noch beeindruckt von dieser Art der früheren Behausung streifen wir noch das Bergdorf Matmata, das laut Reiseführer, bekannteste Wohnhöhlendorf. Uns ist es hier jedoch zu touristisch und wir sind froh, bereits in den vorangegangenen Orten alles für uns Interessante gesehen und studiert zu haben.
Nun halten wir straff auf die Küste zu und sind schon voller Vorfreude auf Meer, Dattelpalmenoasen und auf das städtische Treiben. Schließlich wollen wir ja noch Gewürze und Souvenirs kaufen. Am späten Nachmittag kommen wir in Gabes an, hier gibt es einen Campingplatz mitten im Zentrum und gleichzeitig nur wenige Meter vom Meer entfernt. Wie so oft, ist mal wieder nichts ausgeschildert und wir fahren nach GPS. Einbahnstraßen tun ihr Nötigstes dafür, dass wir bestimmt drei Ehrenrunden drehen, bis wir an einem unscheinbaren großen Tor vorbeikommen und dahinter den Campingplatz vermuten. In der Tat, hier sind wir richtig. Eine große Anlage mit Jugendherberge, Sport- und Spielmöglichkeiten und ein kleiner Palmengarten fürs Camping. Wir erledigen schnell den Papierkram und richten uns gemütlich ein. Wir sind die einzigen hier, was natürlich nicht stört. Pünktlich bei der Vorbereitung unseres Abendessens sind wir dann doch nicht mehr allein: 5 Muezziner rufen gleichzeitig um die Wette. Wir freuen uns schon auf den nächsten Morgen 5:00 Uhr! Ein weiteres unvergessliches Erlebnis bietet am nächsten Vormittag der Besuch des Suq in Gabes. Überschaubar und doch sehr vielfältig, nicht überlaufen, bieten die Händler ihre Gewürze, Tee, Taschen, Steine, Naturkosmetik und Souvenirs an. Schnell werden wir begleitet von einem Markthändler oder besser Marktorganisator, der recht gut deutsch spricht, hier scheinbar jeden Händler kennt und uns beim Suchen und Kaufen unterstützen möchte, um dann, wie sollte es anders sein, seine Provision von den Händlern zu kassieren. Wir werden schnell fündig. Die Zeit für das Aussuchen der Sachen ist nichts gegen die Dauer der Preisverhandlung, aber so kennen wir das ja und so ist das auch von allen Seiten gewollt. Endlich nach fast einer Stunde zähem Handeln und Ringen ist der Preis jetzt gefixt und es haben hoffentlich beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Wir jedenfalls sind sehr zufrieden und fahren weiter über Skhirra und Sfax an der Küste entlang. Unterwegs fallen immer wieder die vielen Fleischerläden auf, die vor den Schaufenstern direkt an der Straße frisch geschlachtete Schafe ausbluten lassen, für uns doch eher gewöhnungsbedürftig.
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Wir kommen in die Nähe von Chebba, wo es noch sehr viele unberührte Strände gibt. Nach einem kleinen Abstecher gelangen wir an einen wundervollen Strandabschnitt. Viele kleine Buchten, weißer Sand, tiefblaues Meer und Büsche, die Wind- und Sichtschutz spenden. Hier bleiben wir, das steht schnell fest. Wir beobachten den Sonnenuntergang und die immer mehr werdenden kleinen Fischerboote, die zu ihrem Nachtfang auslaufen. Nach einem guten Abendessen und mehreren Gläsern Rotwein, es ist schon 20:00 Uhr und stockfinster, stehen plötzlich zwei Männer mit Stöcken und Kutten, deren Kapuze sie bis ins Gesicht gezogen haben, vor uns. Wir sind kräftig erschrocken! Die beiden begrüßen uns sehr nett mit Handschlag und wollen auf Französisch einiges wissen, woher wir kommen, ob wir hier bleiben wollen usw. Dann wollen sie noch wissen, ob wir die örtliche Polizei informiert haben, dass wir hier campen. Wir machen einen auf „nix verstehen“ bejahen alles durch fleißiges Kopfnicken. Die zwei verabschieden sich und wir kuscheln uns in unser Bett, begleitet vom Meeresrauschen schlafen wir schnell ein. Plötzlich: lautes Motorengeknatter und grelles Scheinwerferlicht, das direkt auf uns zukommt. Eine Stimme sagt von draussen „Bonsoir Monsieur, we are the garde nationale maritime, please come out“. Schnell zählen wir eins und eins zusammen. Die beiden Männer mit ihren braunen Kutten haben sich scheinbar wirklich bei der Seepolizei erkundigt, ob wir eine Erlaubnis hätten. Die zwei, die nun vor uns, vermummt wie Eskimos auf ihrem Quad sitzen, wollen uns dazu bewegen, mit zur örtlichen Polizeistation ganz in der Nähe zu kommen. Hier am Strand wäre es angeblich nicht so sicher. Wir erklären, dass wir uns sehr wohl sehr sicher fühlen und hier bleiben möchten. Nach ein wenig Palaver und ein paar kleinen give aways sind alle Gemüter wieder beruhigt. Sie verabschieden sich freundlich und wünschen uns eine angenehme Nacht. Auch das ist Tunesien. Wir bewerten dieses Erlebnis aber als positiv, denn die tunesische Polizei ist seit den Anschlägen auf Djerba sehr um die Sicherheit und das Wohl ihrer Touristen bemüht. Deshalb werden die Beamten den Touristen immer einen bewachten Stellplatz direkt vor dem Polizeirevier vorschlagen.
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Die Halbinsel Cap Bon Da wir sehr gut in unserem Zeitplan liegen und etwas schneller vorankommen als gedacht, entschließen wir uns, der schönen Halbinsel Cap Bon im Nordosten Tunesiens einen Besuch abzustatten. Wir nehmen die Autobahn und lassen so die großen Touristenregionen Monastir, Sousse usw. bequem neben uns liegen. Gegen Mittag erreichen wir die Halbinsel und besuchen noch kurz die durch Töpferwaren bekannten Städte Nabeul und Hammamet. Doch auch hier ist uns mal wieder der Trubel zu groß, die Leute und der Verkehr zu viel. Wir fahren weiter in Richtung Norden in die Laubwälder von Kelibia und suchen uns einen schönen Stellplatz. Hier fällt auf, dass das Klima ganz anders als im Rest des Landes ist. Feuchtwarm, schwül und etwas mediterran. Auch hier genießen wir die Ruhe und Einsamkeit und verbringen einen erholsamen Abend und eine entspannte Nacht. Tags darauf stehen wir dann am östlichsten Kap der Halbinsel, kaum vorstellbar, dass es von hier bis Sizilien per Luftlinie nur 150 km sind. Die Gegend erinnert an Italien. Wir spazieren ein wenig in der Umgebung, fahren dann noch einen kleinen Pass mit herrlichen Aussichtsmöglichkeiten und Felsgrotten hinauf, bevor wir auf der anderen Seite der Halbinsel diese wieder langsam verlassen. Ein echtes Schmankerl bietet sich bei Korbous, einer Thermalgegend wie im Bilderbuch. Steilküsten mit tollen Ausblicken, netten Cafés und Restaurants, das Meer immer in Sichtweite und liebevoll angelegte Gärten und Terrassen. Nach einer Stärkung in einem der romantischen Kurorte fahren wir schweren Herzens in Richtung Tunis weiter, unsere letzte Übernachtung vor der morgigen Fährüberfahrt wollen wir in Hammam Lif verbringen. Hierbei fällt mal wieder folgende betriebswirtschaftliche Unsinnigkeit auf: der Campingplatz ist von seiner Lage, Ausstattung und Größe nicht schlecht und bietet unglaubliches Potential für eine Sanierung mit anschließender Vermarktung. Doch ist es in Tunesien so, dass die Pacht vom Zustand des Platzes abhängt. Lässt der Pächter den Platz richtig verfallen und investiert nichts, verringert sich seine Pacht im nächsten Jahr entsprechend. Was soll man dazu sagen? Ein Jahr später stehen wir auf der Rückreise von Libyen wieder auf diesem Platz ;-)
An unserem Abreisetag erreichen wir pünktlich den Hafen von La Goulette und geben noch das letzte Geld aus: Tanken, etwas Obst, Süßes und Baguette für die Heimreise (da wir ja nicht mehr auf dem Schiff essen werden) und natürlich unser geliebtes HARISSA (eine Paste aus Chili, Knoblauch, Koriander, Olivenöl und weiteren Gewürzen). Und dann heißt es Abschied nehmen... Tunesien war in jeder Hinsicht ein super Start für individuelles Reisen mit unserem Expeditionsmobil und macht uns richtig Lust, in ein paar Jahren noch einmal wiederzukommen.
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